Fantoche 2018 mit Fokus Lettland

Vom 4. bis 9. September 2018 zeigt das Internationale Animationsfilm Festival Fantoche mit 185 Veranstaltungen an 14 Locations die ganze Bandbreite der Animation: Vom internationalen Wettbewerb, aktuellen Langfilmen, drei lettischen Kurzfilmprogrammen, dem Schwerpunkt «Doucement Sexy» bis hin zu einer Ausstellung, die einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht.

(Bild: © Albertine Zullo, David Toutevoix) Filmstill aus «The Cannonball Woman» von Albertine Zullo und Davit Tourevoix, CH-FR-CA

Im kuratierten Schwerpunkt «Doucement Sexy» zeigt die tschechische Kuratorin Eliška Děcka in drei Kurzfilmprogrammen die erotisch-sinnliche Seiten des animierten Kurzfilms – oft mit Augenzwinkern, aber auch zart, brutal und provokativ wie im japanischen Langfilm «Belladonna of Sadness». In «Animeo & Humania» flirtet der Animationsfilm mit dem Theater Marie. Dabei treffen sich zwei vermeintlich sehr unterschiedliche Ausdrucksformen – das Theater, das aus dem Augenblick entsteht und der Animationsfilm, den wir erst als fertiges Produkt zu sehen bekommen. Das Internationale Comix-Festival Fumetto zeigt im Boudoir eine lustfreundliche Auswahl an erotischen Comics. Und: die reformierte Kirche öffnet ihre Tore für Diskussionen über «Sinn und Sinnlichkeit». Pfarrerin Christina Huppenbauer stellt einen Animationsfilm ins Zentrum ihres Gottesdienstes. Auch das beliebte «Bagno Popolare» bekommt eine Neuauflage: Denn bei der Bade- und Kurtradition der Stadt spielten nebst der heilenden Wirkung des Wassers immer auch körperliche Sinnesfreuden eine Rolle, denen sich Männer wie Frauen unterschiedlichster gesellschaftlicher Schichten hingaben.

100 Jahre Lettland
Lettland steht in Bezug aufs Animationsfilmschaffen oft im Schatten seines Nachbarstaats Estland. Anlasslich des 100-jahrigen Jubiläums der Staatsgründung rückt Fantoche das wenig bekannte lettische Animationsfilmschaffen in den Fokus. Als Geburtsjahr der lettischen Animation gilt das Jahr 1966 und der Film «Ki-ke-ri-gū! » von Arnolds Burovs (1915–2006). «Mit Burovs als einflussreicher Person pragte auch seine Technik, die Puppenanimation, lange Jahre das lettische Animationsfilmschaffen. Heute ist das Land reich an kleineren und grösseren Studios wie Rija Films oder Atom Art, die Kurz- oder Langfilme in verschiedensten Techniken produzieren. », meint Uldis Makulis, Kurator der drei Kurzfilmprogramme für Gross und Klein. Viele Filmemacher, die in zweiter oder dritter Generation aus Burovs Schule hervorgegangen sind, sind gern gesehene Gäste am Fantoche: Filme von Anete Melece, Edmunds Jansons, Vladimirs Leščovs und Signe Baumane wurden stets am Fantoche gezeigt, selbstverständlich auch dieses Jahr. Edmunds Janson gewahrt auch Einblick in den Entstehungsprozess eines neuen Langfilms, am dem er gegenwärtig arbeitet. Mit Elizabete Balčus, Waterflower und Gas of Latvia sind ausserdem interessante Musiker im Abendprogramm von Fantoche im Royal vertreten.

Swiss Animation – Bewegt!
Die Ausstellung der Groupement Suisse du Film d’Animation (GSFA) im Kunstraum Baden gibt einen einmaligen Einblick hinter die Kulissen und in die Ateliers und Studios von 25 Schweizer Animationskünstlern und deren unterschiedliche Arbeitsweisen. Gezeigt werden die aufwändigen Arbeitsphasen: von ersten Skizzen und Notizen über Stilstudien und Storyboards weiter zu Bilddrehvorlagen oder Modellen und Puppen bis zu den fertigen, vertonten Werken, die ebenfalls zu sehen sind. Einigen der Kunstschaffenden sind in der Ausstellung anwesend, so dass man ihnen beim Arbeiten über die Schultern blicken kann.

Wettbewerb
In den drei Wettbewerben sind 73 Kurzfilme, 22 davon aus der Schweiz. Mit Claudius Gentinetta und Lotti Bauer sind dieses Jahr zwei Schweizer Beitrage auch im Internationalen Wettbewerb vertreten. Auffallend viele frühere Teilnehmende sind dieses Jahr wieder in den Wettbewerben dabei. «Fantoche freut sich darüber, wenn Filmemacherinnen, zu deren Karriere das Festival beigetragen hat, weiterhin die Möglichkeit erhalten, freie Kurzfilme zu schaffen und ihre Kreativität weiterzuentwickeln – denn dies ist keine Selbstverständlichkeit», sagt Festivalleiterin Annette Schindler. Im Schweizer Wettbewerb sind bemerkenswert viele Beitrage aus der Westschweiz vertreten, ähnlich viele wie aus der deutlich bevölkerungsreicheren Deutschschweiz. Insgesamt wurden 2349 Kurzfilme aus u.a. der Schweiz, Frankreich, Belgien, Deutschland, Grossbritannien, Russland, Iran, USA oder Mexico eingereicht.

pd / ub

Fantoche
16. Internationales Festival für Animationsfilm Baden/Schweiz vom 4. bis 9. September 2018
Das Programm ist auf www.fantoche.ch/de ersichtlich.

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