Die ach so schlimme Generation Z

    KOLUMNE:


    Jugend von heute

    Es scheint gar nicht mehr aufzuhören mit der Medienflut über die Generation Z (Jahrgang 1997-2012). In Interviews äussern Generationenforscher oder Arbeitgeber ihre Bedenken zur jungen Generation. In der NZZ ist sogar von einer Bedrohung für Demokratien die Rede. Wenn man den Artikeln in der Schweizer Medienlandschaft Glauben schenkt, ist unsere Existenz in naher Zukunft bedroht, weil die Generation Z verantwortungslos, anfällig für psychische Krankheiten, faul und egoistisch ist. Mag sein, dass es in ihren Kreisen so enden wird; in meinen Kreisen sehe ich eine erfolgreiche Zukunft.

    «Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.» Nein, dieses Zitat stammt von keinem Experten unserer heutigen Zeit, sondern von niemand geringerem als dem anerkannten Philosophen Sokrates (470-399 v.Chr). Schon seit eh und je herrscht ein regelrechter Kampf zwischen verschiedenen Generationen, jede davon überzeugt, dass die spätere Generation die Zukunft verbauen wird. Klar, auch ich denke nicht gerade positiv von der Generation Alpha (Jahrgang 2010- 2024) und habe das Gefühl, dass ihr stetig steigender iPad-Konsum negative Folgen mit sich bringen wird. Doch weshalb hat die Generation Alpha überhaupt Zugang zu iPads? Wer lehrt ihnen den Umgang damit? Als ich 12 Jahre alt war, erhielt ich mein erstes Handy und war ausser mir vor Freude. Knapp 10 Jahre hielt diese Euphorie. Ich hatte oft mit meinen Eltern Diskussionen darüber, dass ich mein Handy abends nicht neben dem Bett haben darf und ich nicht zu viel Zeit im Internet verbringen darf. Jeden Tag um 21 Uhr wurde unser WLAN abgeschaltet, damit mein Bruder und ich nicht noch nach Schlafenszeit surften. Ich bin nicht mit der Fähigkeit geboren worden, «internetresistent» zu sein. Diese Fähigkeit entwickelte sich langsam, indem mir stets von meinen Eltern bewusst gemacht wurde, dass das Internet schädlich sein kann. Zudem wurde ich älter, denke heute weitsichtiger und kann Prioritäten besser setzen. Viele in meiner Freundesgruppe haben Zeitlimits auf den sozialen Medien, die den Internetkonsum einschränken. Immer mehr löschen ihre Accounts auf den sozialen Medien; auch ich lösche die App immer wieder, weil wir gelernt haben, mit unserem eigenen Konsum umzugehen. Vieles lernt man erst im Laufe der Zeit. Während «Experten» also eine lahmgelegte Generation sehen, sehe ich eine Generation, die versucht, neu zu denken. Eine Generation, die versucht, ihren Platz in der festgelegten Ordnung zu finden. Eine Generation, die Fehler macht und dann daraus lernt. Eine Generation, die hohe Ziele hat, die Welt zu verändern und dies auch tut. Jedoch auf eine andere Art und ungewohnte Weise, weil neue Umstände herrschen.

    Oftmals scheint bei den älteren Generationen in Vergessenheit zu geraten, wie man selbst als Jugendlicher war. Erst mit der Zeit fängt man an, seine Prioritäten zu sortieren, auszumisten und dann neu zu setzen. Wegpfeiler in diesem Prozess sind Menschen aus dem eigenen Umfeld, die das ganze schon hinter sich haben und an denen man sich dann orientiert. Bei mir waren es meine Eltern. Genau deshalb sehe ich keinen Untergang, sondern eine rosige Zukunft. Warum ist meine Generation nicht faul? Weil es unsere Eltern nicht sind. Warum ist meine Generation nicht egoistisch? Weil unsere Eltern uns vorgelebt haben, wie es ist, sich stets um sein Umfeld zu kümmern, bevor man sich um sich selbst kümmert. Warum möchte meine Generation eine gesunde Work-Life-Balance ausleben? Weil unsere Eltern uns gezeigt haben, wie kaputt es einen machen kann, wenn man zu viel arbeitet.

    Herzlichst
    Lilly Rüdel

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